Re: Bestseller "Bibel"
Verfasst: Samstag 20. Dezember 2008, 19:10
von Heinrich5
Hallo treumie,
Hast Du die Bibel selber und im Ganzen gelesen?
Ich denke mal, Du hast eventuell das Buch von Franz Buggle:
„Denn sie wissen nicht was sie glauben“,
gelesen. Zumindest ich habe dieses Buch glesen und mir dazu folgende Notizen gemacht, weil ich lieber meinen eigenen Buchrezensionen vertraue als denen bei Amazon, denn die Buchrezensionen bei Amazon stammen ja auch nur von Amateuren wie Du und ich:
Autor:
Professor Dr. Franz Buggle, 1933 geboren, Studium der Psychologie, Philosophie, Pädagogik und Wirtschaftswissenschaften in Freiburg i. Br. und München, 1963 Promotion zum Dr. phil. In den Fächern Psychologie, Philosophie und Psychopathologie. 1970-1974 Professor für Entwicklungs- und Sozialpsychologie an der Universität Regensburg. Seit 1974 Lehrstuhl für klinische und Entwicklungspsychologie an der Universität Freiburg i. Br.
„Denn sie wissen nicht was sie glauben“, Rowohlt Verlag 1992, ISBN 3 498 00 561 8,
„Meine Pfeile mache ich trunken von Blut, während mein Schwert sich ins Fleisch frisst – trunken vom Blut Erschlagener und Gefangener.“ (Dtn. 32;42)
Die Bibel – und zwar nicht nur das Alte, sondern auch das neue Testament - ist in zentralen Teilen ein gewalttätig-inhumanes Buch, als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik ungeeignet.
Frühkindliche Indoktrination in intellektuell wehrloser Kindheit: Seite 13
Ist es nicht ein von allen Erfahrungen widerlegter Illusionismus, anzunehmen, eine rational argumentative Kritik vermöge etwas gegen ein Phänomen wie Religiosität auszurichten, das so tief in vorrationalen psychischen Schichten verankert und durch frühkindliche Indoktrinationen auch gegen hoch ausgeprägte Rationalität und Realitätsbeurteilung durchsetzen können, zeigen ja gerade in der deutschen Szene nicht wenige herausragende Beispiele, bei denen man sich nicht vorstellen kann, dass sie eine Lehre wie die biblisch-christliche Religion mit den in diesem Buch dargestellten Absurditäten und inhumanen Zügen als kritische Erwachsene noch akzeptieren würden, wenn sie nicht in intellektuell wehrloser Kindheit indoktriniert worden wären. Mit Recht weist Bertrand Rassel darauf hin, dass mit verschwindend wenigen Ausnahmen nicht Argumente, sondern Geburt und Herkunft , d.h. frühkindliche Indoktrination , zur Übernahme einer Religion führen (die Kirchen wissen das, mehr oder weniger reflektiert, und misstrauen offenbar der Überzeugungskraft ihrer göttlichen Offenbarung auf Erwachsene, innerlich freie Individuen; ihr fundamentales Interesse an den institutionalisierten Möglichkeiten frühkindlicher und kindlicher Indoktrination - Kindergärten, Religionsunterricht an staatlichen Schulen usw. – hat hier ihre Begründung)
Seite 15:
Man wird also hier (in diesem Buch) keinen Krieg gegen machthungrige, feudalistische, sture usw. Funktionsträger der Kirchen finden, es geht hier generell nicht um Personen, sondern um das Glaubenssystem selbst, dessen Opfer letztlich auch seine Funktionsträger sind. Ein wesentlicher Teil der Gründe, warum die gegenwärtige Diskussion um Glaube und Kirche häufig so ineffizient und unredlich verläuft, ist m. E. hier zu suchen. Es verhält sich eben im wesentlichen nicht so, wie es eine heute fast selbstverständlich akzeptierte generelle Prämisse aller Kirchenkritik darstellt: Die ursprüngliche Verfassung, die Basis (Jesus, Bibel usw.) ist gut, nur die fehlerhaften schwachen bis böswilligen kirchlichen Funktionsträger – Papst, Bischöfe, „Amtskirchen“ usw. – haben sie verfälscht, pervertiert.
Eher verhält es sich umgekehrt: Eine nicht geringe Zahl positiv motivierter bis idealistisch gesinnter Bischöfe, Priester, engagierter Christen bemüht sich, aus einer redlicherweise eigentlich längst unhaltbar gewordenen religiösen Glaubensbasis unter ungeheuren Selbstverleugnungen, Konflikten und inneren Verbiegungen - je intelligenter, konsequenzfähiger , redlicher sie sind, um so mehr - doch noch eine einigermaßen akzeptierbare und hilfreiche Veranstaltung zu machen. Pointiert gesagt: ich kenne eine große Anzahl von Pfarrern und überzeugten Christen, deren ethisches Niveau das des biblischen Gottes bei weitem übertrifft (und es stünde besser um diese Welt und das Schicksal der Menschen, wenn diese über göttliche Allmacht verfügten).
Seite 32:
Schwarzweißwelten gibt es nur in der Sicht verbohrter Fanatiker, nicht aber in der Realität. So enthält auch die Bibel als Projektionsschirm menschlicher Weltbilder, Einstellungen, Gefühle, Leidenschaften usw. keineswegs nur negativ zu bewertende Inhalte.
Ein Buch, eine Normenquelle aber, die mit dem Anspruch auftritt, aufgrund göttlicher Inspiration Leitlinien mit absolutem Geltungsanspruch zu vermitteln, deren Bedeutung also nicht nur und nicht primär darin liegt zu vermitteln, wie die Dinge sind, sondern wie sie sein sollen, darf nicht neben auch positiven Inhalten eine solche Fülle archaischer, zutiefst inhumaner und ethischer höchst verwerflicher Leitbilder als göttlich inspiriert und damit das ihnen entsprechende Verhalten als göttlich legitimiert und von Gott autorisiert vorstellen, explizit oder implizit durch göttliches „Modellverhalten“.
Einen Gott, der Eroberungskriege inklusive der ausdrücklich angeordneten Hinschlachtung von Kindern, Frauen und greisen befiehlt, der eine inhuman grausame Blutjustiz immer wieder eindringlich fordert, und die extrem grausame Hinrichtung seines eigenen Sohnes als Sühneopfer ausdrücklich wünscht, der Minderheiten wie etwa Frauen und Sklaven extrem diskriminiert , der die Ausrottung Andersgläubiger befiehlt, Geisteskrankheiten auf Besessenheit zurückführt oder ewige (!) Höllenstrafen androht, einen solchen Gott, auch wenn er, extrem widersprüchlich, an anderer Stelle Nächstenliebe , ja sogar Wehrlosigkeit fordert, als höchstes absolutes Vorbild und Verhaltensmodell zu propagieren, scheint (mir) schwer zu rechtfertigen: Die Geschichte hat ja gezeigt, wie sehr der Mensch dann auch darin zum Ebenbild Gottes wurde.
Dass die Bibel als Gottes Wort teilweise auch historisch, nicht nur naturwissenschaftlich , die Unwahrheit sagt, z. B. auch in der so beliebten Weihnachtsgeschichte - Erfindung einer Volkszählung als Arrangement , den Geburtsort Jesu nach Bethlehem , von wo der Messias kommen sollte , zu verlegen - , sei nur am Rande vermerkt.
Auch schon für die Bibel und nicht erst für das auf ihr aufbauende Christentum lässt sich sagen: Wer sich über die Bibel nicht empört, kennt sie nicht. Oder ist zu feige oder innerlich zu unfrei, sich zu empören. (Kahl, 1968, S. 13)
Seite 128:
Wie geht die Bibel, wie gehen Gott, Christus und andere biblische Autoritäten , als absolute Vorbilder und Verhaltensmodelle dargestellt, mit Menschen um, die Verhalten zeigen, das von den biblischen Normen abweicht, Verhalten, dessen Spannweite von dem „Verbrechen“ , einem anderen als dem biblischen Gottesglauben anzuhängen oder die entsprechenden rituellen Vorschriften nicht zu erfüllen über sexuell abweichendes Verhalten bis zur Tötung anderer Menschen (es sei denn im Krieg!) reicht?
Wieder ist die Bilanz für eine mit dem Anspruch göttlich-absoluter , letzter moralischer Autorität antretender Schrift vernichtend: Da gibt es zwar auch, insgesamt eher zurücktretend und so gut wie immer untrennbar in den Bezugsrahmen von Gewalttätigkeit und extremer Strafsucht eingebettet, die Aufforderung zur Barmherzigkeit und zum Verzeihen, vor allem und weitestgehend , wenn auch nicht ganz ausschließlich, gegenüber dem „Bruder“, dem Mitglied der eigenen „Ingroup“. Ganz vorherrschend jedoch findet sich die extrem gewalttätige Praxis der Liquidierung, der Sanktionierung des Abweichenden durch exzessive, sadistische Strafen, gipfelnd in den neutestamentlichen ewigen psychisch und körperlich zugefügten Höllenqualen.
Die psychischen Folgen einer so mit göttlicher Autorität verordneten und vorgelebten „Bewältigung“ normabweichenden Verhaltens waren und sind verheerend: Ein Blick auf die Geschichte des Christentums , das erst durch die Aufklärung am schlimmsten gehindert werden musste, wie auch auf die heute noch bestehenden , mehr oder minder sublimen psychischen Repressionsmechanismen kann dies bestätigen (man vergegenwärtige sich die psychische Not vieler kirchlich gebundener , aber von Zweifeln und Konflikten bedrängter Menschen, etwa auch einer beträchtlichen Zahl katholischer Priester). „Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass die christliche Kirche den Menschen ein größeres Maß an unverdienten Leides zugefügt hat als irgendeine andere Religion“, stellte der britische Historiker William E. H. Lesky fest.
Alle verantwortlichen (Sozial-)Wissenschaftler, Ethiker, Pädagogen, Eltern, darüber hinaus jedes nicht gedankenlosunkritisch dahinlebende Mitglied einer human-demokratischen , aufgeklärten Lebensnormen verpflichteten Gesellschaft müssen sich fragen lassen, warum sie diese Praxis der Kirchen unwidersprochen über sich und über ihre Kinder ergehen lassen, durch archaisch-inhumane , angsterzeugende Inhalte Verhalten und Erleben mit allen bekannten verheerenden psychischen Folgen kontrollieren zu wollen so wie weiterhin Vorbilder extremer Gewalttätigkeit und inhumanen Sadismus als Verhaltensleitbilder absoluter Autorität zu vermitteln. Wie kann man heute noch , und dies gilt für die Bibel insgesamt, die vor mehreren tausend Jahren in den Himmel projizierte archaische –inhumane Verfassung damaliger Menschen als göttlich–verbindliche Inhalte „zurückholen“ und sie dadurch verstärken und stabilisieren?
Wie können wir erwarten, die nicht nur für den einzelnen Menschen , sondern inzwischen für die ganze Menschheit überaus gefährliche Reaktionstendenz zu überwinden , im Verhalten und Verhaltensnormen wie im Für-wahr-Halten bestimmter Sachverhalte (Glauben, Ideologien) von den eigenen Vorstellungen und Normen abweichende, bekehrungsunwillige Menschen zu „liquidieren“, solange einem grossteil der Menschheit (Christentum, Islam) ein göttliches Leitbild vermittelt wird, das sich genau durch diese Reaktionstendenzen auszeichnet? Allein in den USA, wird die Zahl der biblischen Fundamentalisten, also der Personen und (und Wähler), die die Bibel wörtlich nehmen wollen, (was ja eigentlich bei einem „Wort Gottes“ ohne verhängnisvolle Konsequenzen möglich sein müsste), vorsichtig auf mindestens 40 bis 60 Millionen geschätzt. Wen wundert da noch die für das Überleben der Menschheit zeitweise überaus gefährliche, exzessive Aufrüstungspolitik der vorigen, zu einem Gutteil gerade von religiös –fundamentalistischen Kreisen gestützten amerikanischen Administration und ihres Präsidenten?
Seite 136:
Die Bibel interpretiert den Kreuzestod Jesu in Übereinstimmung mit der offiziellen bis heute verkündeten Lehre aller christlichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften als Sühneopfer, um den durch die Sünden der Menschen ungnädigen , erzürnten , strafwilligen Gott zu versöhnen.
Wieder kann man es nur der eminenten Wirksamkeit entsprechender frühkindlicher Indoktrinationen zuschreiben, dass dieser Sachverhalt mit wenigen Ausnahmen von der ganz großen Mehrheit heutiger , human-aufgeklärter Menschen, Gläubiger, Indifferenter und z. T. auch Ungläubiger so beinahe selbstverständlich akzeptiert und so wenig als extreme Provokation jedes auch nur gemäßigt human–aufgeklärt denkenden Menschen empfunden wird; denn akzeptiert man das Kreuzesopfer Jesu, das Kerngeschehen der Erlösung und allen Christentums, so akzeptiert man damit auch (vielleicht implizit-halbbewußt, aber psychologisch notwendig) das entsprechend archaisch-inhumane , alttestamentarische Gottesbild, ohne welches das Kreuzesopfer gar nicht als sinnvoll zu verstehen wäre.
Durch frühkindliche Indoktrination wird so das Bild eines Gottes verinnerlicht , der zu seiner Versöhnung den Kreuzestod , bekanntlich eine der grausamsten Hinrichtungsarten – auch hier sollte man die durch Gewöhnung eingetretene Abstumpfung überwinden und sich dieses grauenhafte Geschehen in allen Einzelheiten vorzustellen versuchen -, eines Menschen , und darüber hinaus eines Menschen, zu dem er in einem Vater-Kind Verhältnis steht, seines Sohnes, nicht nur annimmt, sondern auch nach mehrfachem biblischem Zeugnis ausdrücklich wünscht.
Die Verinnerlichung und Verfestigung eines solchen Gottesbildes stellt einen Eingriff in die Psyche eines Kindes von kaum zu überschätzender psychologischer Problematik dar und kann eine möglicherweise lebenslang wirkende Quelle interner tief liegender Ängste und aggressiver Impulse sowie eines bedrohlich-verdüsterten Weltbildes werden.
Fazit: Seite 285:
Vergegenwärtigen wir uns noch einmal das Fazit unserer bisherigen Analyse: Wir gründen unsere letzten Wertentscheidungen, -setzungen noch immer, inzwischen in verschiedenen Ausprägungsgraden und mehr oder weniger explizit oder nur implizit, auf die christliche Religion, vor allem wie sie durch die beiden großen Kirchen vermittelt wird, wir stützen diese Religion materiell durch Milliardenbeträge, ideell durch die Bereitstellung sehr weitgehender Darstellungs- und Betätigungsmöglichkeiten im Kindergarten, Schule, Universität, in Politik und öffentlichen Leben, in öffentlich-rechtlichen Medien u.v.a., eine Religion, die auf der Bibel als letzter Grundlage und höchster Autorität beruht, die lehramtlich immer noch als in all ihren Teilen auf göttlicher Eingebung beruhend dargestellt wird, in liberal-abgeschwächter Lehrmodifikation wenigstens in ihren wesentlichen religiösen und ethischen Aussagen.
Erinnern wir uns weiter: Was waren solche wesentlichen religiösen und ethischen biblischen Aussagen, also etwa über das Wesen und das Handel Gottes gegenüber Menschen und Welt? Die Bibel enthält zwar auch positiv zu bewertende Aussagen, etwa das Liebesgebot, allerdings mit wenigen Ausnahmen so gut wie immer untrennbar legiert mit massiven, häufig extrem sadistisch-grausamen Strafandrohungen und –Phantasien, d.h. so gut wie immer verbunden mit einem mehr oder minder sublimen Appell an den jeweiligen Heilsegoismus des Angesprochenen.
Neben diesen insgesamt eher zurücktretenden, bei großzügiger Sicht noch positiv zu sehenden Aspekten, ließen sich eine Fülle extrem inhumaner Züge, und zwar sowohl im alten und Neuen Testament, aufzeigen:
• Aufforderung Gottes zu mitleidslosen Eroberungs und Ausrottungskriegen (Genozid),
• Aufforderung Gotte zur Ausrottung und Intoleranz gegen Andersgläubige,
• zu einem archaisch grausamen Rechtswesen;
• die fast durchgängig zu findende Attraktivität von Blut und Blutvergießen;
• die neutestamentliche Androhung ewiger körperlicher und psychischer extrem qualvoller Strafen (Hölle), von den Kirchen nie offiziell wiederrufen, sondern bis in die neuste Zeit immer wieder bestätigt;
• die vom neutestamentlichen Gott ausdrücklich gewollte extrem grausame Hinrichtung eines Menschen, zu dem derselbe Gott in einem Vater-Kind-Verhältnis stand, als Sühneopfer und Vorraussetzung seiner eigenen Versöhnung und unserer Erlösung, d.h. partiellen Errettung von eben diesen ewigen Höllenstrafen, wobei dieses Kreuzesopfer als Kerngeschehen der christlichen Religion verkündet wird;
• das ausmalen extremer Strafen und Quälereien an Ungläubigen oder nicht nach biblisch christlicher Norm lebenden (vgl. hier besonders die Geheime Offenbarung des Johannes);
• die Verkündigung eines kruden Teufels –und Dämonenglaubens und die Rückführung psychischen und körperlichen Krankheiten auf die Besessenheit durch solche Teufel und Dämonen, die darauf konsequent aufbauende Aufforderung zur Teufelsaustreibung;
• neben der so zumindest implizit geförderten Diskriminierung von Geisteskranken die ausdrückliche Diskriminierung von Geisteskranken die ausdrückliche Diskriminierung von schwächeren Teilpopulationen und Minderheiten, wie etwa Frauen, Andersgläubigen und insbesondere auch Juden (neutestamentlich);
• das ausdrückliche Gutheißen der Sklaverei und die Aufforderung an die damaligen Sklaven zur Unterwerfung unter ihr nicht zuletzt gegen fundamentale Menschenrechte und gegen die Menschenwürde verstoßendes Schicksal;
• die weitgehende negative Zeichnung des Menschen als verderbt, sündig, unfähig zum Guten und gerechterweise zur ewigen qualvollen Bestrafung durch Gott bestimmt;
• die diesem Gott ausdrücklich zugebilligte völlige Willkür und die absolute Rechtlosigkeit des Menschen vor diesem Gott;
• die Aufforderung zu einer ausgesprochenen Prügelpädagogik usw. usw. all dies als Quelle und letzte Entscheidungsinstanz aller christlichen Religiosität und Ethik zugemutet.
All dies vor dem Hintergrund einer Kirchengeschichte, nicht nur aber zu ganz wesentlichen Teilen - für jeden, der es nur will, erkennbar – gekennzeichnet durch ein unsägliches Ausmaß an physischen und psychischen Grausamkeiten, an Folter, Quälereien, Mord an Andersdenkenden, gegenseitiger Abschlachterei und Religionskriegen, an geistig-psychischer Unterdrückung und Unfreiheit: zumindest zu einem wesentlichen Teil stimmige Konsequenzen der biblischen Inhalte und der dort als verbindlich vorgestellten Verhaltensmodelle? *
Fußnote
* Noch einmal: Wer meint, verständlich aufgrund der gängigen religiösen Sozialisation und der auf sie zurückgehenden weitgehenden Desinformation, dies alles sei ein Zerrbild der „wahren“ biblisch-christlichen Religiosität, der sollte einmal unbefangen die Bibel selbst lesen und sich um unzensierte, authentische Kenntnisse über die Kirchengeschichte, wie sie wirklich war, bemühen. Man muß ja auch hier verlangen, auf anderen Gebieten ein selbstverständliches Postulat intellektueller Redlichkeit und verantwortlicher Urteilsbildung, daß jemand die unselegierten biblischen Texte und die Fakten der Kirchengeschichte erst einmal zur Kenntnis nimmt, ehe er vorschnell dieses, zugegebenermaßen unvertraut-provokative Bild der Wirklichkeit ablehnt.
All dies vor dem Hintergrund einer weltweit in beiden Buchreligionen, Christentum und Islam, zu registrierenden regressiven Fundamentalismuswelle, die zurück will zu einem wörtlich-verbindlichen Verständnis der jeweiligen „heiligen Schriften“ und daraus konsequent abzuleitenden Verhaltensregeln für das individuelle und öffentliche Leben mit der damit implizierten großen Gefahr der gegenseitigen Vernichtung der sich in ideologischen Schwarzweißblöcken gegenüberstehenden Menschheitsgruppen , eine Gefahr, die zuletzt besonders wieder deutlich wurde in dem starken Einfluß fundamentalistischer amerikanischer Gruppen auf Ronald Regan, vor allem in den ersten Jahren seiner Regierungszeit, und seine Administration, in der verhängnisvollen Legierung aus fundamentalistischer Bibelgläubigkeit und Kreuzzugsmentalität (vgl. z. B. Reagens ursprünglicher Glaube an das bevorstehende biblische Harmageddon als biblischen Endkampf des guten Amerika gegen die Sowjetunion als das „Reich des Bösen“ .
Der heutige evangelikale US Präsident (Bush) steht dem in Nichts nach, das Reich des Bösen sind jetzt der Iran und Nordkorea sowie die Islamisten (Bin Laden). (Achse des Bösen).
All dies und all die genannte intensive öffentliche Förderung angesichts der intellektuellen Zumutung, an einen zugleich allmächtigen, allwissenden und zugleich unendlich liebevollen, gütigen Gott glauben zu sollen, obgleich es kaum ein Faktum gibt, das besser bestätigt wäre, als das offensichtlich „dunkle, fühllose und lieblose Mächte das menschliche Schicksal bestimmen“ (Sigmund Freud).
Seite 383: Höllenstrafen:
....... Da wird 8- 9 jährigen Kindern (!) immer wieder mit den ewigen „Qualen des höllischen Feuers“ gedroht, diese „Strafe wird kein Ende nehmen, sie dauert in alle Ewigkeit fort“ und wird, damit da kein Zweifel bei den Kindern bleibt, auch leiblich vollzogen; allerdings, welch ein Trost: „Die verdammten leiden nicht alle gleichviel. Gott ist gerecht; wer schlimmer gesündigt hat, wird auch härter bestraft“ das alles wird durch Zitate aus der Bibel belegt, die gleichzeitig als Gottes Wort vorgestellt wird. „Gott zum Urheber“ und mit „unfehlbarer Wahrheit niedergeschrieben“ ist.
Das solche ewigen Höllenstrafen nicht nur für „Unkeuschheit“ , sondern auch für das Fernbleiben von der Sonntagsmesse ohne wichtigen Grund, für die Loslösung, den Abfall vom katholischen Glauben oder gar den Austritt aus der katholischen Kirche, für „freiwilligen“ Selbstmord vorgesehen sind, wird den Kindern klar vermittelt. Der Selbstmörder greift in die Rechte Gottes ein; denn Gott allein ist der Herr über Leben und Tod. Hier dürfte die Wurzel für die unbarmherzige Versagung des Sterbewunsches unheilbar Kranker und unsäglich leidender Menschen sein. Auf der anderen Seite darf die Obrigkeit die Todesstrafe verhängen und Soldaten ist es im Krieg erlaubt die feindlichen Soldaten im Kampf zu töten.
Intellektuell unmündigen 8-9 jährigen Kindern wird das Bild eines Gottes vermittelt, der für seine Versöhnung, für den Erlaß ewiger (!) Höllenstrafen die blutige Hinrichtung eines Menschen fordert, zu dem er in einer Eltern-Kind-Beziehung steht. Dabei fehlt nicht der ausdrückliche Monopolanspruch der römisch-katholischen Kirche, die so „verdienten“ Gnaden und „Mittel“ die Menschen zur ewigen Seligkeit zu führen und vor der ewigen Verdammnis zu bewahren „allein empfangen“ zu haben und zu „verwalten“.
Kindern wird eingeprägt: „Angst muß man davor haben, mit seinen Sünden zu leben, ohne Reue zu
sterben, beim letzten Gericht vor aller Welt beschämt und ewig verdammt zu werden.
Nach alldem ist es nur konsequent Kindern dringend Gebete wie die folgenden nahezulegen:
„Erbarm Dich Vater über mich, verzeih mir meine Sünden,
sonst kann ich nicht vor Dir bestehen, und keine Rettung finden“
„Oh Gott, Du kennst die Sünden all,
die ich vor Dir getan.
Erbarme Dich, erbarme Dich!
Sieh an, wie schlimm es um mich steht;
Sieh meine Sündenschuld.
Angesichts solcher Kindesmisshandlungen reden Psychotherapeuten davon, daß Gott die schlimmste Kinderkrankheit für Millionen Kinder ist.
Dass sich die frühkindlich induzierte Sünden und Strafangst auch im Erwachsenenalter erhält, daß diese schlimmste Kinderkrankheit tatsächlich unheilbar bleibt, dafür sorgt auch die kirchliche Erwachsenenkatechese und allgemeine Verkündigungen , wie zum Beispiel folgende:
„Welch ein Graus wird sein und Zagen,.....
und ein Buch wird aufgeschlagen,
treu darin ist eingetragen jede Schuld aus Erdentagen...
nichts kann vor der Strafe flüchten.
Weh was werd ich Armer sagen, wenn Gerechte selbst verzagen!
König schrecklicher Gewalten
frei ist Deiner Güte Schalten, ... zwar nicht würdig ist mein Flehen,
doch aus Gnade lass geschehen,
daß ich mö’g der Höll entgehen...von der Böcke Schar mich scheide,...
wenn verdammt zur Hölle fahren,
die im Leben böse waren,
ruf mich mit den sel’gen Scharen.“
Viele unfreie Reaktionen kirchlich gebundener Menschen, ihre Unfähigkeit, sich auch gegen eigentlich zugängliche Einsicht von kirchlichen Normen und Glaubensinhalten zu lösen, werden psychologisch kaum verständlich, wenn man sich die hier aufgezeigte Art der kindlichen (und in der Erwachsenenkatechese konservierten) Sozialisation nicht ganz konkret veranschaulicht.
Seite 409: Angstbindung:
Analysiert man die Religionsbücher die zur Schulzeit der heute Erwachsenen in den Schulen verwendet wurden, so ist angesichts der dort vermittelten Inhalte , insbesondere der Drohung mit extremen qualvollen und ewigen Strafen, gerade auch für „Abfall“ vom Glauben, Austritt aus der Kirche , nicht ganz unerklärlich, warum ein großer Teil heutiger Erwachsener nicht die psychische Kraft aufbringt , sich von solchen im intellektuell wehrlosen Zustand der (frühen) Kindheit induzierten Angstbindung zu befreien, sondern in deutlicher Parallele zu posthypnotisch ausgeführten Befehlen auch absurde und eigentlich unhaltbare (auf anderen Gebieten wohl entrüstet als Zumutung zurückgewiesen) Rationalisierungen und Rechtfertigungsversuche akzeptiert, heute intellektuell redlich und doch Christ zu sein, ja geradezu nach solchen entsprechenden Angeboten ( z. B. Bücher von Küng) sucht.
Auch bei der heute häufig zu findenden Isolation und Vereinzelung vieler Menschen nur allzu gut verständlichen Wahrnehmung der Möglichkeit, sich einer Gemeinde anzuschließen, darf nicht übersehen werden. Ganz generell muß hier aber auch auf die „sinnstiftende“, erleichternde Funktion von Religionen oder Ideologien hingewiesen werden, die auch die biblisch-christliche Religiosität um so mehr auch heute noch vermitteln kann, je mehr sie unter souveräner Außerachtlassung tatsächlich gegebener zentraler Inhalte und intellektueller Redlichkeit für den subjektiven Gebrauch selektiv zurechtgemacht (verfälscht) ist.
Seite 415: Unterwerfungstendenzen:
.........Angesichts des bei einigem Nachdenken (und Freiheit von frühkindlich indoktrinierten Selbstverständlichkeiten) doch sehr eigen artig anmutenden , weitverbreiteten Sachverhalts, dass die selben Menschen, die an die Allmacht Gottes glauben, also auch an seine direkte oder indirekte
letzte Verantwortlichkeit für das ihnen oder ihnen nahestehenden Menschen zugestoßene Unglück, denselben Gott loben, preisen, sich ihm offenbar bedingungslos unterwerfen, angesichts der Häufigkeit, mit der sich solche „sklavischen“ (oder auch hündischen) Gesinnungs– und Verhaltensweisen zeigen, kann man zumindest fragen, wieweit eine solch weitverbreitete Unterwürfigkeitstendenz zu den anthropologischen Grundantrieben gehört, vielleicht wegen ihres zumindest früher (?) bestehenden hohen Überlebenswertes.
Man kann solche Verhaltensweisen besonders in unserem deutsch-christlich geprägtem Umfeld allen oberflächlichen Autonomiegesten zum Trotz bei entsprechender Sensibilisierung bei vielen Anlässen wahrnehmen; z.B. bei der „Verarbeitung“ größerer Unglücke, etwa Flugzeugabstürze, Amokläufe,
u.a., bei denen Gott, falls es ihn geben sollte, es zugelassen hat, dass zahlreiche Menschen, auch Kinder, grausam verstümmelt und entstellt, zum Teil nach längeren schweren Schmerzen gestorben sind. Aus solchen Anlässen finden jeweils entsprechende Gottesdienste statt, in den ersten Reihen die staatlich-politische Prominenz, man kennt das, und offenbar nimmt man die absurd erniedrigende Psychologie nicht wahr oder will sie nicht wahr nehmen, die hinter einem solchen Gottesdienst steht:
Man dient sich demselben Gott an(„Was Gott tut das ist wohlgetan“: So sollte vor einiger Zeit auf ausdrücklichen Wunsch einer streng protestantischen Mutter die Gemeinde bei der Beerdigung ihres ziemlich grausam verunglückten Ehemannes und Vaters zweier Kinder singen), von dem man ja glaubt, glauben muß als Christ, dass er als allmächtiger Lenker allen Geschehens bis ins kleinste bestimmt, ohne dessen Wille nichts geschieht, nach biblischer Lehre kein Sperling vom Dach und kein Haar von unserem Haupt fällt, der also auch dieses Unglück bewirkt(„Geschieht ein Unglück in unserer Stadt, ohne dass der Herr es bewirkt hat?“, Am. 3;6) oder zumindest nicht verhindert hat, also dafür verantwortlich ist.
Steht hinter solchen Verhaltensweisen (auch heute noch in einer Demokratie!) nicht die alte (Überlebens-) Strategie, dem (all)mächtigen (archaisch-tyrannischen) Herrscher, Peiniger, ja Folterer zu schmeicheln, damit er nicht noch mehr Unheil auf den Geschlagenen kommen lässt? Besonders erniedrigend ja fast pervers mutet dabei die Forderung an, ihn auch noch als weise, treusorgend, unendlich liebevoll und gütig preisen zu müssen.
Günther Anders, jüdischer Atheist:
„Nach Auschwitz besteht mein Atheismus nicht mehr einfach in der Bestreitung <seines> Daseins, sondern in meiner Empörung über die Würdelosigkeit, die einem, der dies zugelassen hat, im Gebet nahen.
Fazit:
Es gibt eine weitverbreitete Unsicherheit in religiösen Fragen, ein konflikthaftes Schwanken zwischen Annahme und Ablehnung der von den Kirchen verkündeten Lehren bei sehr vielen Menschen, begleitet mit einer immer wieder mit Staunen festzustellenden und kaum glaublichen Desinformation über religiöse Inhalte und Lehren, wie sie in Bibel und kirchlicher Verkündigung enthalten sind. Die Bibel, unsere „Heilige Schrift“, „Gottes Wort“, ist ein zutiefst gewalttätig-inhumanes Buch, völlig ungeeignet als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik.
Franz Buggle hat dieses Buch in Gedanken gerade an die vielen Menschen geschrieben, wie sie ihm immer wieder begegnen, die im Blick auf das Christentum in einer belastenden, nicht selten krankmachenden Orientierungsnot und Konflikthaftigkeit leben, weil ihnen die notwendigen Informationen für eine begründet - verantwortliche Entscheidung für oder gegen das Christentum, für oder gegen eine Kirchenzugehörigkeit fehlen.
Die biblisch – christliche Religion hat ihren Gläubigen bislang mehr Leid gebracht und schon bestehendes Leid durch zusätzliche Lasten, physische und psychische Grausamkeiten, seelische Verbiegungen und Vergewaltigungen vermehrt.
Dabei wird nicht übersehen, dass christliche Religion aber auch Leid eher gemildert und zu ertragen geholfen hat.
Eigener Nachtrag:
Die Bibel ist im Ganzen zu lesen um sich ein Urteil über die Bibel bilden zu können. Man muß sich dagegen wehren, nur die Rosinen (Teile der Bergpredigt) herauszupicken: das Schöne, Friedfertige, Humane. Das tun aber die Kirchen in ihrer Verkündigung.
Die wertvollen Teile der „Bergpredigt“ sind nicht die Bibel. Selbst die Bergpredigt ist nicht in allen Teilen erbauend und aufbauend.
Ich habe die Bibel im Ganzen gelesen und empfehle das auch allen anderen, welche sich ein Urteil über die Bibel bilden wollen. Ich kenne etliche, welche ein Prachtexemplar der Bibel in Golddruckausgabe als Prestigeobjekt in ihrem Bücherschrank haben, aber sie noch nie gelesen haben. Die einzigen Bibelkenntnisse die sie haben stammen noch aus dem Religionsunterricht früherer Kindheitstage, an welche sie kaum noch ein Erinnerungsvermögen haben.
Gruß,
Heinrich5